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Motor 


Ja, das Teil hat seinen Namen zu recht, denn seit Uschi irgendwann 1998 dieses Teil als Ankündigung in einer Motorradzeitschrift gesehen hatte, begleitete es uns wie ein Schatten. Uschi faßte es kurz und bündig mit einen Satz zusammen: Die oder keine.
"Die oder keine" war wohl auch der Werbeslogan der PR-Abeilung von Honda und so war der Preis der Kleinen nicht gerade als Schnäppchen angesetzt. Lange Zeit suchten wir deshalb auf dem Gebrauchtmarkt nach einer günstigen, gebrauchten, Neuen. Offensichtlicht hockten aber die Besitzer zu diesem Zeitpunkt auf ihren Moppeds und so verblaßten unsere Hoffnungen, auf diesem Weg günstig an das begehrte Teil zu kommen. 
 


 
Es war irgendwann Anfang 2000, als in einer lokalen Zeitung eine gebrauchte Shadow 125 das erste mal drin stand. Der Besitzter verlangte laut Inserat 6200 DM, was mir nicht besonders gefiehl. Aber gut! Ich rief den Typ an und erkundigte mich nach dem Mopped. Als ich ihm sagte, daß der Preis für eine Gebrauchte im Winter etwas zu hoch sei, und ob er nicht auf 6000 gehen könnte, wurde der Typ ausfallend. Er unterstellte mir, daß ich das Teil nur deshalb so günstig haben wollte, um es dann für 6500 sofort weiter zu verkaufen. Das war mir dann doch zu albern. Aus dem Deal wurde nichts. Nichtsdestotrotz bot der Verkäufer sein Bike noch viele male in der Zeitung an, bis sich offensichtlich jemand fand.
Zwischenzeitlich fand ich eine Möglichkeit gefunden, den Differenzbetrag zwischen Gebrauchter und Neuer zu finanzieren. Da wir damit die Möglichkeit hatten, zum ersten Mal ein Bike neu zu kaufen und dieses dann pfleglich einzufahren und zu behandeln, rückte ein Neukauf immer näher.


Saisoneröffnung bei Hübler


Wie jedes Jahr kam die Zeit, in der jeder Händler seine sensationelle Saisoneröffnungsfete präsentieren mußte. Als wir damals neu in der Bikersaisoneröffnungsszene waren, machten wir so unsere einschlägigen Erfahrungen mit diesen Treffen. So lockten die verschiedensten Händler ein durchaus unterschiedliches Publikum an. Da waren die Rat-Bag-Feten, wo frau das Bedürfnis hatte, das nächste mal nur noch mit Brechstange und Desinfektionsmittel hinzugehen oder auch Eliteklüngeltreffen, wo Neue zwar durch die Tür kamen, aber sich dann so wohl und integriert fühlten wie ein Wassertropfen auf ´ner imprägnierten Regenjacke.
Beim Hübler trafen sich die Durchschnittsbiker, was das ganze recht sympathisch machte. Daß der Eigentümer des Schuppens nichs mit Frauen als Käuferinnen auf dem Hut hatte, hatten wir schon mehrmals erfahren aber er schien zumindest ehrlich zu sein.
Einige Anrufe im Vorfeld meinerseits stellten sicher, daß auch eine Shadow in dem gewünschten Schwarz an dem Tag vorhanden war und grundsätzlich zum Verkauf freigegeben war. Uschi war bereit, nochmal auf diese Saisoneröffnung zu gehen, und so sahen wir uns, ganz unverbindlich versteht sich :-)))), das Teil noch einmal genauer an.
Nach etwa 3 drei Runden um den Block, und nachdem Uschi signalisiert hatte, daß sie nun vielleicht nächste Woche...
war Gefahr im Verzug. Ich fing den Hübler ein und ließ ihn das Teil einmal anlassen. Anschließend nötigte ich ihn zu einem Verkauf, was gar nicht so einfach war. Auf dem Weg zum "Büro" flutschte er uns noch mehrmals aus den Fingern, fing mit irgendwelchen Leuten längere Gespräche an und versuchte in der Menge unterzutauchen.
Uschi zog ich leicht paralysiert hinter mir her. Da waren wir nun, ein Motorradhändler, der seine Ware ausgerechnet an Frauen verkaufen sollte, eine zukünftige Neumotorradbesizerin die wie hypnotisiert wirkte und eigentlich noch "etwas" Bedenkzeit wollte und ich selbst, die nun verbissen die illustre Runde zusammenhielt, freiwillig versteht sich, bis der Vertrag unterzeichnet war.
Es war ein hartes Stück arbeit, und als ich Uschi aus dem Laden führte, murmelte sie: "du hast mich gezwungen...ich habe ein Motorad gekauft....". "Ja" bestätigte ich, und anschließend saßen wir noch ein weilchen im Auto bis wir dann losfuhren.

...ein paar Tage später...

Easy-Rider-Feeling mit der Shadow
Der Motorradhändler hatte das Bike nun zugelassen, ich hatte mit Herbert, unserem engsten Familienfreund, vereinbart, daß wir zusammen das Bike vor die Tür stellen. Das ganze war natürlich streng geheim. Das Wetter war zwar etwas besch... aber es mußte jetzt sein. Der Hübler erklärte noch kurz, wo Lenker, Licht und Fahrtrichtung ist und los ging es mit dem Neuerwerb. Ich stellte das Mopped so in unsere Garage, daß es erst im letzten Moment gesehen werden konnte.
Es war schon leicht dunkel, als ich Uschi von der Arbeit abholte. Sie war leicht gefrustet, denn sie hatte zwar ein neues Motorrad, aber das stand ja beim Händler. Der Wetterbericht hatte ab übermorgen (Samstag)  wieder schlechtes Wetter gemeldet. Ein zusätzlicher, auswärtiger Termin verhinderte zudem, daß wir am Samstag augiebig der Shadow frönen konnten.
Ich hatte Schwierigkeiten, angesichts der vermeintlichen Misere mein breites Grinsen zu unterdrücken. Nur noch ein paar hundert Meter dachte ich mir....ich schaltete das Fernlicht ein und wir fuhren um die Ecke in die Garage.
Uschi stockte der Atem. In gleißendem Chrom blitzte ihr die Shadow entgegen. Die deutete auf das Bike: "Da...da". Das war ein wunderschöner Augenblick.

Testfahrt mit der Shadow  Uschi hatte nun endlich ihre Shadow.
Obwohl ich eigentlich kein Chopper-Fan bin, finde ich die Shadow zumindest in der Stadt genial. Sie ist ultra handlich. Man kann dank dem Schwerpunkt und der niedrigen Masse echte Haken schlagen. Schräglagen macht sie auch klaglos mit und beim Wenden zirkelt man Kreise hin....einfach den Lenker auf Anschlag und schon ist man rum. Dabei wackelt nichts! Der Motor ist gewöhnungsbedürftig und will natürlich gedreht werden.