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Das erste Mal habe ich von der Messerschmitt ME163 in der Grundschule gelesen. In der spärlichen Schulbücherei gab es ein Buch über die Geschichte der Me163 das mich fesselte. Später baute ich mangels Fernsteuerung und Budget einen Balsa-Gleiter in der Form eines Krafteis. Der flog gut!

 

Auspacken und flugfertig machen

Gefühlt 100 Jahre später ist wieder einmal ein Hype um die Me, so dass es derzeit gleichzeitig von Hobbyking/Durafly, von Robbe und von Hacker eine ME163 zu kaufen gibt. Außerdem gibt es eine modifizierte Hacker-ME als Raketengleiter bei Modellraketen-Klima. Ich habe mich für die Hacker-Version entschieden, habe aber zusätzlich eine Option für den Raketenmotor vorgesehen.

Dazu habe ich ein 16mm Alurohr vom Baumarkt an dem Ende geschärft und mit ein paar Kanten versehen und hinten an der Me163 ein 70mm Loch gebohrt. Dann habe ich mit selbstklebenden Klebeband grobes Sandpapier auf das Alurohr aufgeklebt, und damit das Loch auf 18mm Durchmesser, dem erforderlichen Raketenmotordurchmesser aufgerieben.

 

Ein paar Kritikpunkte zum Hacker-Flieger:

Abgesehen von den obigen Kritikpunkten ist die Me ein feines Teil.

Ein "Guzerla" des Hackers: an der Nasenleiste hat Hacker eine offensichtlich nutzlose Kehle durch die Tragfläche gezogen. Da es gut ist, die beiden JETI-Antennen des Empfängers im 90° Winkel anzubringen, habe ich die Naht mit einem Antennenrohr bis in das Innere des Rumpfes weiter geschnitten, zwei ABS-Röhrchen eingesetzt und dann die Antennen durch die Röhrchen und der Nut verlegt. Das passt perfekt!

 Ein Stückchen Tesa fixiert die Antennen und schließt die Nut ab.

 Hier ist die Innenseite des Rumpfes zu sehen:

Um Gewicht zu sparen, habe ich den Telemetrie-MUI30 (Jeti, Strom-/Spannungssensor) etwas umgebaut und direkt mit dem Regler verklebt. Das Ergebis: 18,5g für den Regler und dem Sensor inklusive aller Kabel und Stecker.

 Auch der Empfänger wurde seines Gehäuses beraubt - minus 4,4 Gramm. Die Komponenten wurden mit Kapton Band isoliert.

Propeller

Nach einem erfolglosen Start war der mitgelieferte "6x5E"-Propeller zerstört. Bei einer internet-Recherche bin ich dann auf diverse Forenhinweise gestoßen, dass es sich bei dem Hacker-Propeller um eine Fehlstempelung handelt. Das deckte sich auch mit meine Beobachtungen, dass der Motor bei vollem Akku und Vollgas nur 6A konsumierte. Nachdem ich einige Propeller im Flug vermessen und getestet habe, habe ich mich entschlossen, einen Graupner Cam Prop 6x6 auf meine Me zu schrauben. Die Flugleistung hat sich dabei noch einmal verbessert.

 

Licht, Rauch und Schub...

Ein neuer Test: Ein Kupferblech wird mit einer Bohrung versehen. In die Bohrung werden zwei Osram Oslon Leuchtdioden verlötet, so das die beiden LEDs elektrisch hintereinander geschaltet sind. Die Dioden können locker mit 500mA im Blitzbetrieb betrieben werden.

Dabei habe ich einen kleinen Trick verwendet. Die Oslon-LED haben auf der Rückseite drei Pads: Anode, Kühlpad (Mitte), Kathode. Das Kühlpad ist elektrisch isoliert, so dass man es entweder mit der Kathode oder der Anode verbinden kann.

Damit kann man die beiden LEDs so in das Kühlblech löten kann, dass einmal die Kathode mit dem Kühlpad und im anderen Fall die Anode mit dem Kühllpad verlöten kann. Die beiden in dem Loch verbleibenden beiden Pads sind die Anschlüsse für die beiden LEDs, die über das Kühlblech hintereinander geschaltet wurden.

Der Trick wird hier noch einmal erläutert:

Leider funktioniert der Trick nur bei zwei LEDs. Weiter reichende Verschaltungen sind aufwändiger.

Im nächsten Bild sind meine beiden ACLs zu sehen. Damit wird der ganze Bereich unterhalb der Me163 abgedeckt - gut sichtbar in den Videos.

 Hier die Vorwiderstände für den ersten Test. Später habe ich natürlich eine saubere Lösung benutzt.

 Der Stromanschluss:

Wegen der Zündpille habe ich eine Polyfuse vorgesehen, die im Zweifelsfall bei 500mA das Zündsystem vom Rest der Elektronik trennt. Bei einem Flug hat genau diese Sicherung Wirkung gezeigt. Nach dem Zünden war das ACL aus - ein Indiz, dass die Zündpille einen Kurzschluss verursacht hatte. Die Polyfuse hat sofort das System getrennt.

 Hier wird die Zündpille angesteckt:

 Als Zündmodul und für die Beleuchtungssteuerung habe ich wieder mein Else Mini verwendet. Die Software hat inzwischen einen neuen Stand.

 Das ganze Beleuchtungs- und Zündsystem wiegt, so wie es hier liegt, 4,25 Gramm - mit allen Steckern, Kabeln und Leds!

 

Raketenmotor

Der Raketenmotor ist von Klima Raketentechnik (www.raketenmodellbau-klima.de) und vom Typ D3-P. Der Raketenmotor läuft 6Sekunden, hat einen Anfangsschubimpuls von 9N (0,9kg) und über die gesamte Restlaufzeit einen Schub von ca. 3N (0,3kg). Der Treibsatz hat eine BAM-Nummer und ist mit P1 klassifiziert.

Großer Gott, was heisst denn das jetzt wieder? BAM ist die Abkürzung für Bundesamt für Materialprüfung. Dass das Teil eine BAM-Nummer hat, bedeutet, dass man das Teil in Deutschland benutzen darf, ohne sich strafbar zum machen. Ok, und was hat es nun wieder mit dem "P1" auf dem Hut? Alles was in Deutschland schneller wie ein Stück Papier abbrennt wird in der Sprengverordnung (SprengV)  klassifiziert. Gemäß der Klassifizierung fallen derzeit die Raketenmotoren, die weniger als 20g Nettoexplosivmasse (=brennt schneller als Papier) haben unter die Kategorie P1, d.h der Käufer/Benutzer braucht keine besondere Ausbildung/Nachweis um diesen Motor zu erwerben oder zu benutzen. Außerdem ist ein ganzjähriger Betrieb erlaubt (Rahmendedingungen: Nicht in der nähe von Krankenhäusern, Heuschupfen...).

Darf nun ein ferngesteuerter Raketengleiter auf einem Modellflugplatz betrieben werden? Da kommt nun die Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) ins Spiel. Die sagt eindeutig im §16 Erlaubnistbedürftige Nutzung des Luftraums:

(Zitat LuftVO,§16:)

1) Die folgenden Arten der Nutzung des Luftraums bedürfen im Übrigen der Erlaubnis:

1.
der Aufstieg von Flugmodellen
a) mit mehr als 5 Kilogramm Gesamtmasse,
b)mit Raketenantrieb, sofern der Treibsatz mehr als 20 Gramm beträgt...

(Zitat Ende)

Übersetzt: gesteuerte Flugmodelle mit Raketenmotor, dessen Treibsatz kleiner 20g ist dürfen erlaubnisfrei geflogen werden.

 

Bilder von meiner ME163

 So sieht meine Hacker ME163 jetzt aus. Den Schaumstoff in der Pilotenkanzel habe ich noch etwas ausgejüngt - des Scales wegen.

 

 

Vorbereitungen für den ersten Flug.

Airborne

Hier habe ich die Rakete gezündet:

Meine Me hat bei diesem Test knapp 150km/h erreicht

Der zusätzliche Schub reicht, um die ME163 in steilem Winkel nach oben zu katapultieren.

Dabei bleibt das Kraftei jederzeit beherrschbar und läuft wie auf Schienen

Durch den Abbrand des Raketenmotors verschiebt sich zwangsläufig der Schwerpunkt in Richtung kopflastig. Zur Kompensation muss anschließend Höhenruder gezogen werden.

Hier ist ein Start am Sonntag zu sehen.

 Beim Start sind drei Sachen zu beachten:

1. keine steilen Wurfwinkel (so wie im Bild abgebildet geht es nicht).

2. Nicht zu wenig Gas.

3. Nicht zu zaghaft werfen.

Wenn die Me beim Start einen Looping fliegt, ist der Schwerpunkt einen Mückenschiss zu weit hinten. Zuerst dachte ich, der Motorsturz ist daneben. Aber wenn der Schwerpunkt passt flieg das Teil nahezu gerade.

 Das Unvermeidliche: Die Me kippt ab. Gas raus, gerdade richten und den Winkel beim Aufprall flach machen.

 Solche Abstürze steckt meine Me ohne Schaden weg.

 Nach jedem Absturz unbedingt die Lage des Raketenmotors prüfen. Dieser rutscht gerne nach hinten raus, was den Schwerpunkt nach hinten verschiebt.

 Noch ein Versuch...

Flacherer Winkel, und der Start ist kein Problem.

 Hier eine etwas bessere Aufnahme. Zündung und schon geht es aufwärts.

 Das rote Licht ist mein ACL-Blitzer.

Weniger Spektakulär kann auch statt dem Raketenmotor eine Rauchpatrone benutzt werden. Die Schwerpunktverschiebung ist nicht so ausgeprägt. Dafür brennt die Patrone 2 Minuten lang.

Fazit: klasse Flieger ohne Rakete, ein Highlight mit Rakete.

Hier zwei Videos:

 

 

Technische Daten:

Typ: E-Flug Hybrid-Antrieb  
Spannweite: 730 730 mm
Länge: 480

480

mm
Leergewicht: 244 244 g
Fluggewicht: 289

323 (Start)
303 (Landung)

g
Motor:

Hacker A20-34S

100W 15sek
1500U/V 29g

 + Klima
D3-P
 
Luftschraube:

1:"6x5E" (original, siehe Text)
2: Graupner 6x3 Cam Prop
3: 5,25x4,75 APC
4: Graupner 6x6 Cam Prop
5: 6,5x5,5 APC
6: 6,5x5 APC
7: 6x4 APC

   
Regler: 12A Noname    
Akku: Wellpower 3s 450mAh SE    
Spannung (Schnitt)

1:10,8
2:11,89
3:11,44
4:11,19
5:11,63
6:10,8
7:11,1

 6;10,8 V
Strom (Vollast):

1:6,1
2:6,0
3:5,7
4:8,4
5:9,12
6:9,5
7:8,0

 6:9,1 A
Strom (Schnitt): 1:3,4
2:1,52
3:1,52
4:2,71
5:1,58
6:3,94
7:3,3
 6:3,4 A
Steigleistung

1:5,5
2:4,7
3:4,6
4:8,1
5:8,5
6:8,7
7:7,3

 6:16,4 m/s
       
Gleitleistung 1:5,2
2:3,5
3:3,2
4:2,7
5:4,6
6:6,3
7:11,9
  m/s
Standschub: 1: zuspät, Prop defekt
2:400
3:300
4:270
5:330
6:
7:
 +300 (3N) g
Drehzahl:

1: zuspät, Prop defekt
2:4300
3:3900
4:3700
5:3400
6:3500
7:4100

  U/min
Geschwindigkeit

1:nicht ermittelt
2:nicht ermittelt
3:nicht ermittelt
4:110
5:nicht ermittelt
6:109,6
7:109,2

 6:147,8 km/h
Flugzeit: 1:
2:
3:
4:
5:
6:8..8:30
7:
  min
Empfänger: Jeti Duplex R6 ohne Gehäuse    
Sevos: Mini-Servos Noname    
       
Stromsensor MUI30 (Jeti)    
       
Fläche:  8,8   dm2
Flächenbelastung:  33  38..34 g/dm2