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Beim zweiten Flug ging es darum, ob meine Eurofighter auch auf unserer Graswiesen-Piste fliegen kann. Nun möge der vorab informierte Leser vielleicht entgegnen, dass die Eurofighter2 von Freewing vor nicht ganz einem dreiviertel Jahr mit einem rasentauglichen Fahrwerk beworben wurde...

Nun ja, erstens ist dieser Text in der Werbung inzwischen verschwunden, zum anderen haben wir in unserem Verein schon eine "spezielle" Piste. In den Dellen verschwinden kleine Flugzeuge spurlos, andere Piloten zerschellen an Maulwurfhaufen und wenn man ganz tolles Pech hat, dann trifft man mit dem Bugfahrwerk in ein Maulwurfs-Loch:

Dieses Bild ist kein Fake!!! Für einen Jet kann so was das "Aus" sein. Für den Maulwurf kann es auch blöd laufen, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Mission

Zurück also zur Frage aller Fragen :-) : kann meine Eurofighter auf unserem Platz fliegen? Wir haben es am 3.8. ausprobiert - kompromisslos und knallhart. Als Kameramänner hatte ich meinen alten Arbeitskollegen Cornelius und meinen Vereinskollegen Werner verdingen können. Der Wind blies leicht von Osten, was zu einer größeren Diskussion führte, wie man wohl am besten mit der Tatsache umgehen könne:

Option 1: Starten gegen den Wind: Das macht man allgemein so, wenn der Flieger nicht verschrottet werden soll. Nachteilig war hier die Hochspannungsleitung unweit unseres Flugfeldes, was die Möglichkeit des Verschrottens wieder deutlich hob.

Option2: Starten quer zur Windrichtung nach Raubersried: Das macht man so, wenn das Flugzeug den Start nicht überleben soll. Da dies der zweite Flug war, war mir mulmig bei dem Gedanken. Der Vorteil wäre, freies Flugfeld nach dem Start.

Option3: Starten mit dem Wind: hier wäre ein freies Flugfeld sicher, aber würde die Eurofighter nach dem ersten Startdillema überhaupt auf Startgeschwindigkeit+Windgeschwindigkeit kommen?

Ich habe mich für Option1 entschieden. Volles Gas, hart beschleunigen, im letzten Moment das Höhenruder rein und dann baldmöglichst abdrehen.

 Die Videos

Hier das Video:

wem das jetzt nicht reicht, gibt es hier noch einen Nachschlag: die Outtakes

Die Fotos

Hier meine Eurofighter beim Beschleunigen:

Point of no return: Etwa fünf Meter vor Ende der Rasenpiste habe ich dann den Vogel hoch gezogen. Man sieht hier wie der Impellerauslass den Boden berührt.

 Kurz nach dem Abheben habe ich dann schnell die Nase runter, um einen Strömungsabriss zuvor zu kommen.

 Fast geschafft! Nur noch vorsichtig eine Kurve und dann weg von der Leitung.

 Damit war der zweitschwierigste Teil des Fluges schon einmal geschafft.

Klar, die Schlappen müssen jetzt rein. Wider aller Erwartung habe ich diesmal den richtigen Schalter gefunden. Am Modelltisch war das noch anders. Cornelius: mach mal das Licht an. Jenny legt den schalter um, und das Fahrwerk verschwindet klagend im Rumpf - ein Klassiker wenn es um Einziehfahrwerke geht.

Nun fliegt die Eufi noch besser.

 Hier die Eufi mit offenen Fahrwerksschächten:

Mit einem drittel Gas ging es dann ans Herumcruisen. Jetzt merkte ich, dass ich meine Telemetrie-Sprachausgabe nicht an mein Ohr gehängt habe. Das bedeutete, das ich 3-4 Minuten nach Gefühl (trotz Aufregung und Adrenallin) zur Verfügung habe, um den Vogel ordentlich zu Fliegen, das Fahrwerk wieder raus zu holen, eine Platzrunde zu drehen und dann zu Landen.

Bei diesem Flug fand ich noch einen Fehler in der Nachbrennerbeleuchtung. Es war ein 0402er Widerstand nicht richtig gelötet, was dazu führte, das der linke Nachbrenner manchmal seltsam ausgesehen hat.

 Die Cree-LED am Seitenleitwerk ist der Hit. Die ist immer zu sehen.

 Aber auch die Positionslichter sind ausreichend dimensioniert.

 Echt oder Modell?

 

Genug geschwärmt. Nun kamen wieder die Räder raus...

Das mit einem Arduino gesteuerte Ballet dauert natürlich seine Zeit, genauer gesagt 15 Sekunden.

Hier ist meine Eufi schon im Landeanflug:

Von Werners Position (Gegenlicht) sah die Landung noch einmal ander aus:

 Hier sind die Landescheinwerfer (Osram Oslon, 400mA) gut zu sehen. Die Metallbeine dienen dabei gleich als Kühlkörper für die LEDs.

 Auf diesem Bild sieht man die Heu-Rollen, die ich ungern rammen wollte.

 

Und spätestens da habe ich es mit ein paar Pilotenfehlern verrissen: Zum einen bin ich zu hoch rein, da auf der Wiese noch Heurollen standen. Das wäre noch in Ordnung gegangen, wenn ich nicht versucht hätte meine Eurofighter diagonal über den Platz zu Landen um mehr Bahn zu haben und natürlich bald aufzusetzen, um keinen Platz zu verschenken.

Bei der Schräglage berührte sie mit der linken Tragfläche den Boden und das war es dann. Eine Gondel wurde abgerissen und das linke Fahrwerk musste noch einmal eingeklebt werden.

Telemetrieauswertung

Für alle Technikbegeisterten hier noch mein Log vom Flug und ein paar Infos über die verwendbaren Akkus

Der Flug

Ich habe den Flug komplett mit dem GPS-Logger und einem UniSenseE aufgezeichnet. Da die "Übersicht" über den Flug nicht gerade übersichtlich ist, hier der Flug noch einmal minutenweise:

 Wenn man sich dann einzelne Bereiche des Logs ansieht, kommen doch einige Erkenntnisse heraus. Hier der Start. Die Abhebegeschwindigkeit lag bei 44km/h. Ein Rätsel ist mir die Höhenangabe. Sowohl der GPS-Höhenmesser als auch der Unisense-Höhenmesser zeigten beim Start unglaubwürdige Werte an. In der Startphase sieht man, wie die Leistung von 1829W auf 1520W einbricht. Die Drehzahl des Impellers lag bei 31.700U/min. Der Strom lag bei 72,2A, Peak wurde 82A gemessen.

 

Die Eurofighter ist kein Segler. Ist der Motor aus oder läuft auf Schleppgas, so geht die Fuhre mit 3,6m/s abwärts. Die Steigleistung war auch nicht gerade berauschend und lag bei 3m/s. Später die Erklärung dazu. Nach dem Start kann das Gas auf 1/2..1/3 zurück genommen werden. Ich habe für die 4 Minuten Flug eine mittlere Leistung von 818W ermittelt. Der mittlere Strom lag bei 38A.

In diesem Abschnitt habe ich einen Vorbeiflug am Kameramann probiert, und eine kleine Cobra. Bei der Cobra wird der Schub raus genommen, die Eurofighter gezogen und anschließend der Schub wieder voll rein gegeben. Das Ergebnis ist, dass sich die Eurofighter aufrichtet, die Höhe hält und in eine langsamen Fortbewegung, überwiegend ballistisch auf dem Impellerstrahl "schwebt". Ausgeleitet wird das Manöver durch das Herausnehmen des Höhenruders bei weiterhin vollem Schub um einen Ströhmungsabriss zu verindern.

 Hier habe ich das Fahrwerk ausefahren, den Landeanflug eingeleitet und bin gelandet (mehr oder weniger) :-)

 Hier sieht man die Landung. Die Landegeschwindigkeit war mit 40km/h wohl doch zu hoch.

Akkutest

Nun zu den versprochenen Akkutests. Ich habe insgesamt drei Akkus under identischen Bedingungen einem Standschubtest von 30 Sekunden unterzogen. Ziel der Messungen war herauszufinden, wie groß der Einfluss des Akkus auf den Antriebsstrang der Eurofighter ist. Um es vorweg zu nehmen, die Wahl des Akkus wirkt sich spührbar auf das Startverhalten aus.

Im Test 1 habe ich einen Wellpower 6s 4000mAh 30C Akku benutz. Er ist der leichteste des Tests. Aus diesem Grund hatte ich ihn auch beim zweiten Flug vewendet. Mir ist beim Start sofort das Fehlen der Leistung aufgefallen.

 

 Hier sind die vier ersten Zellen des Akkus aufgeführt. Wesentlich ist der Einbruch der Spannung im Durchschnitt auf 3,5V und die schwache Zelle3 mit 3,4V ersichtlich.

 

 Hier sind die vier ersten Zellen des Akkus aufgeführt. Wesentlich ist der Einbruch der Spannung im Durchschnitt auf 3,7V. Insgesamt sind die Zellen sehr homogen beieinander.

 

 Nun die Zellen von Versuch 3: Hier ist die Spannungslage nochmals höher: 3,8V

Fazit: Für den Eurofighter sind entweder 4Ah 45c oder 5Ah 30c sinnvoll. Zu der höheren Leistungsabgabe (28N zu 22N) kommt bei den beiden Akkus eine deutlich geringere Eigenerwärmung (220W gegenüber 320W) dazu.