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Einen hab ich noch:

Hat sich schon einmal jemand gefragt, warum ein IDE-Festplattenkabel heute 40Pole am Stecker, aber dafür 80 Pole in der Leitung hat? Gerade im PC-Sektor kommt es doch auf jedes 10tel-Cent an...

Warum haben Netzwerkkabel einen Schirm, obwohl die Leiterpaare doch schon verdrillt sind?

Warum manche Geräte trotzdem EMV-mäßig strahlen, obwohl sie einen Blechschirm/Metallgehäuse haben?

Was ein Ferrit-Kern an den Monitor-Kabeln für eine Funktion hat? Bei den Monitoren kommt es auch auf jeden 10tel Cent an, und Ferritkerne sind verdammt teuer.


Wenn ich etwas im Laufe der Jahre gesehen habe, dann ist das, daß es in vielen Schaltplänen zwei Signale gibt, die für die Funktion der Schaltung VÖLLIG überflüssig sind.
Das eine ist die Masse und das andere die Versorgungspannung.

Verwirrung? Ein einfaches Und-Gatter hat doch zwei Eingänge und einen Ausgang - mehr nicht. Masse? Versorgung? Braucht doch so was nicht. Das ist doch Digital!!!

Die beiden Signale sind so unwichtig, daß man sie, wenn überhaupt, irgendwo hinten in den Schaltplänen kurz erwähnt, und weil die Symbole dafür so klein sind, macht man fairerweise noch einen (Feigenblatt-)Kondensator dazwischen.

Der Layouter macht das dann so wie es im Schaltplan steht, zuerst werden die wichtigen Signale gemalt, und dann am Schluß bekommen die unwichtigen Signale (Masse) das was über geblieben ist (am Stecker den letzten offenen Pin oder den Schirm) und im Layout wird mit Flood-Fill die übergebliebene Platinenfläche mit Kupfer aufgefüllt. Der Kondensator landet irgend wo, wo noch Platz war. Der Lohn der Arbeit ist dann nicht selten eine lustige Fehlersuche, in der Regel eine EMV daß einen die Augen triefen und die Erkenntnis, daß dem Leiterplattenstand wohl noch einige weitere nachfolgen werden.


...Später merkt einer, daß die Schaltung billiger werden kann, wenn man den Kondensator weg läßt - und er hat auch noch Recht, denn da wo das Teil sitzt, hat es wirklich keine Wirkung außer daß es auf der BOM ein Posten ist.

Ach so: Vorsicht: Satire! Elektrische Geräte brauchen Versorgungsspannung und Masse... Eure Jennifer Sirtl

 

>Die Frage ist dann nur wie man einen Xlr Stecker am günstigsten belegt, GND auf den Mantel empfinde ich >rgendwie nicht als ganz optimal.

Das ist korrekt. Die Masse ist das wichtigste Signal im ganzen System. Leider wird das häufig nicht so gesehen. Wenn der Strom keine gute Masse angeboten bekommt, sucht er im dümmsten Fall seinen Weg selbst. Wer schon einmal beim Autofahren einen Vordermann hatte, der mit dem Bremslicht, dem Rücklicht und der Kennzeichenleuchte geblinkt hat, weiß was ich meine.

Ich habe vor einigen Minuten eine kleine Abhandlung (RS485, Datenübertragung mit zwei Drähten, Versorgungskabel separat) darüber per E-Mail verschickt:
----Zitat:
Ich habe etwas Bauchweh, die Datenübertragung mit zwei Leitern zu realisieren. Es fehlt die Masse - auch dann.

Ich habe Ihnen im Anhang eine Applikation-Node von National dran gehängt, die das Thema etwas (aber nicht ausreichend) streift. Auf Seite 7 steht:
------Zitat Application-Note
GROUNDING AND SHIELDING
Although the potential difference between the data-pair conductors determines the signal without officially involving ground, the bus needs a ground wire to provide a return path for induced common-mode noise and currents, such as the receivers’ input current. A typical mistake is to connect two nodes with only two wires. If you do this, the system may radiate high levels of EMI, because the common-mode return current finds its way back to the source, regardless of where the loop takes it. An intentional ground provides a low-impedance path in a known location, thus reducing emissions.
Electromagnetic-compatibility and application requirements determine whether you need a shield. A shield both prevents the coupling of external noise to the bus and limits emissions
-------

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Der Grund ist die Physik:

Gehen wir der Einfachheit halber vom "Strom" aus, auch wenn der Fluß in Wirklichkeit von - nach + geht.

Da sitzt im 485-Treiber ein Transistor, der das hypothetische Stromteilchen von der Versorgung in das Kabel lässt. Von dort wandert es das Kabel lang bis zum Empfänger-Baustein. Dort fliest es über einen Widerstand in die Masse des Empfängers, was einen Pegel indiziert.
Dummerweise bilden aber Stromkreise einen Kreislauf aus, d.h. das Teilchen versucht nun mit aller Macht wieder zurück zur Stromquelle zu kommen. Das macht es in Ermangelung einer Alternative über den Minuspol der Versorgungsleitung. Zurück im Controller schließt sich der Stromkreis.

Liegen die beiden Kabel (Daten und Versorgung) nun auf dem Abbrennplatz nicht akribisch beieinander, so entsteht eine gigantische Spule mit einer Windung und einem großen Öffnungswinkel, eine magnetische Antenne, die alle magnetischen Anteile von Wechselfeldern einfängt und induziert. Das ist besonders gemein, weil sich magnetische Antennen dem Lambda/4-Gesetz nicht unterwerfen.
Der RS485 ist das von der Logik her egal, weil die ja nur die Differenz der beiden Signalleitungen sieht. Aber die Physik sagt, dass dieser Satz nur in den engen Grenzen der Spezifikation gilt. Gute differenzielle Übertragungen haben deshalb eine Schirmmasse, bei der der "Rückweg" immer in Sichtweite des Hinwegs verläuft - der Physik zuliebe.
----Zitat Ende